Springdans
Zu [Griegs] bedeutendsten Bearbeitungen zählt die Sammlung Slåtter, op. 72. Diese Sammlung von
17 Bauerntänzen hat mit ihrer dissonanten Harmonik einen erheblichen Einfluss auf spätere, sich
ebenfalls der Folklore zuwendende Komponisten (z. B. Bartók) ausgeübt. Grieg komponierte sie von
Aug. 1902 bis Feb. 1903 in Bergen. Die Erstausgabe erschien 1903. Zwei dieser Slåtter wurden für
diese Ausgabe (Nr. 15 und 16) ausgewählt.
Auf einem dem Autograph beiliegenden Blatt hat Grieg das der Volksweise Die Mädchen aus dem
Kivledal. Springdans, Nr. 16, zugrundeliegende Märchen aufgeschrieben:
„In Seljord in Telemark
liegt ein kleines Tal, das Kivledal genannt. In alter Zeit stand hier eine ganz kleine Kirche. –
Eines Sonntags, als die Gemeinde zur Messe versammelt war, erklangen plötzlich durch die Kirche
laute Töne vom Berge herunter. Es waren die drei Mädchen aus dem Kivledal, die letzten Heiden im
Tale, welche ihre Ziegen am Bergesabhang hüteten, während sie einen ‚Slått’ auf dem ‚Trillerhorn’
bliesen. Die Gemeinde strömte aus der Kirche und lauschte wie entzückt den ergreifenden Tönen.
Der Prediger folgte nach; er rief den Mädchen zu, daß sie aufhören sollten, und als sie mit dem
Blasen fortfuhren, erhob er die Hand und sprach sie in Gottes und des Papstes Bann. In demselben
Augenblick wurden die Mädchen aus dem Kivledal und die ganze Ziegenherde in Stein verwandelt. Und
heute noch erblickt man sie hoch oben am Bergesabhang stehend, das Horn vor dem Munde und die
Ziegen rings um sich herum. – So lautet die Sage von dem ‚Slått’ der Mädchen aus dem Kivledal,
wie sie die Bauern des Tales aufbewahrt haben und den sie immer noch auf ihrer Fiedel spielen."