Mehr als die „Symphonie fantastique”
Die New Berlioz Edition ist abgeschlossen
Mit einer Feierstunde wird am 3. Mai 2006 in London der Abschluss der „New Berlioz Edition”, der historisch-kritischen Gesamtausgabe der Werke von Hector Berlioz (1803-1869) gefeiert.
Die Gesamtausgabe umfasst nach ihrem Abschluss 23 zum Teil geteilte Noten- und drei Supplementbände. Neben den Opern sind alle Symphonien, Ouvertüren, Chorwerke, Lieder und Nebenwerke enthalten.
Das große Unternehmen, das von einer Gruppe englischer Musiker und Musikwissenschaftler gegründet wurde, nahm 1965 nach einer Förderzusage der Gulbenkian-Stiftung Lissabon seine Arbeit auf. Der Bärenreiter-Verlag wurde als Verleger gewonnen. Der erste Band mit der „Symphonie Funèbre et Triomphale” erschien 1967 anlässlich eines Konzerts des Royal Liverpool Orchestra unter der Leitung von Charles Groves. Herausgeber dieses Bandes war Hugh Macdonald, der Generalherausgeber der Gesamtausgabe. 1969, im Jahr des 100. Todestages von Hector Berlioz, kamen die drei Teilbände seiner Oper „Les Troyens” heraus. Herausgeber war ebenfalls Hugh Macdonald. „Les Troyens” gilt heute als Meisterwerk der Oper im 19. Jahrhundert und erscheint wie „Benvenuto Cellini”, „Béatrice et Bénédict” und „La Damnation de Faust”, die anderen drei Bühnenwerke des französischen Komponisten, heute regelmäßig auf den Opernspielplänen der Welt.
Als 1992 die verschollen geglaubte „Messe solennelle”, Berlioz’ erstes groß besetztes Werk, in einer Kirche in Antwerpen wiederentdeckt wurde, war dies eine Sensation. Schon ein Jahr später erschien sie als Band 23 der Gesamtausgabe. Andere Erstausgaben waren die unvollständigen, aber nicht unwichtigen Opern „Les francs-juges” und „La nonne sanglante”.
Zwei Bände widmen sich den Bearbeitungen, die Berlioz von Werken anderer Komponisten erstellte, darunter Glucks „Orphée” und Webers „Freischütz”.
Die drei Supplementbände enthalten als Band 24 den „Grand Traité d’instrumentation et d’orchestration modernes”, Berlioz’ berühmtes Lehrbuch, als Band 25 den 1987 von D. Kern Holoman herausgegebenen Werkkatalog und als Band 26 die vollständige Zusammenstellung aller bekannten Berlioz-Porträts.
Zahlreiche Wissenschaftler und Dirigenten standen in enger Verbindung zur „New Berlioz Edition”, unter ihnen David Cairns, John Warrack, Ian Kemp, Paul Banks, Richard Macnutt, Sir Colin Davis, Joël-Marie Fauquet, Jürgen Kindermann, Nicholas Temperley, David Lloyd-Jones und Ian Rumbold. Sie alle trugen dazu bei, dass die Gesamtausgabe heute zur maßgeblichen Grundlage für die Kenntnis des Komponisten und für professionelle Berlioz-Aufführungen geworden ist.