Neue Quellen, neue Musik!
Seine hervorragende Stellung als Musiker und Komponist in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlaubte es Mendelssohn, seine Werke in ganz Europa aufzuführen. Zahlreiche Premieren der Ouvertüren dirigierte er selbst oder er war zumindest bei der Aufführung zugegen. Diese praktische Erfahrung, sowie sein Drang, die eigenen Werke immer wieder zu verbessern, haben letztlich eine sehr vielschichtige Überlieferungssituation zur Folge: Mendelssohns Ouvertüren sind in zahlreichen Quellen überliefert; oft in Form von Revisionen oder neuen Fassungen, die der Komponist im Lauf der Zeit anfertigte. Diese disparate Quellenlage findet weder in der nach Mendelssohns Tod einsetzenden Aufführungstradition noch in den Editionen der letzten 150 Jahre ihren Ausdruck.
Etwa 25 Jahre nach Mendelssohns Tod erschien bei Breitkopf & Härtel eine Kritisch durchgesehene Ausgabe der Werke Felix Mendelssohn Bartholdys, herausgegeben von Julius Rietz. Obwohl keine Gesamtausgabe, enthielt sie die Hauptwerke Mendelssohns und ersetzte die Editionen, die zu Lebzeiten des Komponisten erschienen waren.
Diese alte Rietz-Ausgabe liegt bis heute den käuflich erhältlichen Aufführungsmaterialien zu Mendelssohns Ouvertüren zugrunde. Sie berücksichtigt nicht alle Quellen und Fassungen, die wir heute kennen.