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Sydney: Der Vorhang hebt sich am berühmten Opernhaus für Mozarts Oper „Don Giovanni”. London: Das London Symphony Orchestra spielt eine Symphonie Beethovens. Paris: An der Opéra Bastille erlebt Matthias Pintschers Rimbaud-Oper „L’Espace dernier” ihre Uraufführung. Peking: Das Neue-Musik-Ensemble „Klangforum Wien” macht mit Beat Furrers „FAMA” Station in der chinesischen Hauptstadt. Was allen diesen Ereignissen gemein ist: Die Musiker spielen aus Noten des Bärenreiter-Verlages.
Bevor „Don Giovanni” oder die Beethoven-Symphonie in ihrer endgültigen Form erscheinen konnten, haben Musikwissenschaftler monatelang Manuskripte studiert, Erstdrucke verglichen, Dokumente gesichtet, ehe der „Urtext” erstellt war. Unter „Urtext“ versteht man das Ergebnis all dieser Forschungen, das dem vermuteten Willen des Komponisten möglichst nahe kommt. Dann erst kann das „Aufführungsmaterial” erarbeitet werden: eine „Stimme” für jedes Instrument, von der Piccoloflöte bis zum Kontrabass. Die Sänger brauchen zum Einstudieren einen Klavierauszug, die Zusammenfassung aller Orchesterinstrumente auf eine spielbare Klavierstimme. Auch die modernen Werke erfordern dieselben Arbeitsabläufe, doch ist die Notenschrift hier um zahlreiche zusätzliche Zeichen erweitert, was hochqualifizierte Notensetzer beschäftigt.
Das Kasseler Verlagshaus gehört zu den Jungen in seiner Branche. Als der Verlagsgründer Karl Vötterle 1923 die ersten Liederblätter herausbrachte, waren die großen Komponisten der Klassik, Romantik und Moderne bereits in den festen Händen der Traditionsverlage in Leipzig und Mainz. Neue Tendenzen waren gefragt, und die Suche nach der Nische war erfolgreich: Noten für die Wandervögel, für Blockflöte und Orgel, die Wiederentdeckung von Heinrich Schütz und vor allem die Idee der wissenschaftlich-kritischen Gesamtausgaben der Werke Bachs, Händels, Mozarts, Schuberts und anderer machten Bärenreiter bald zu einem der Großen unter den Musikverlagen. Hinzu kam als herausragender Teil eines anspruchsvollen Musikbuchprogramms die Enzyklopädie „Die Musik in Geschichte und Gegenwart” (MGG). Das Engagement für die zeitgenössische Musik, von Anfang an eine Konstante im Verlagsprogramm, wird fortgesetzt. Wer ist der Mozart von morgen? Noch weiß man das nicht, doch nur wer in die Jungen investiert, wird auch in der Zukunft die erste Geige unter den Musikverlagen spielen.

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